Seminar Anamed 2016

Die Idee

 

Vortrag auf der Synode der Anglikanischen Kirche in Rift Valley.

 

Die von Gott geschaffene Natur birgt in sich die Möglichkeit der Heilung. Dieser Gedanke ist nicht auf den christlichen Glauben beschränkt. Die pharmazeutischen Unternehmen schicken Wissenschaftler in die ganze Welt, um zu schauen, welche Pflanzen medizinisch eingesetzt werden können. Sie entdecken in Afrika Pflanzen, die es in Europa oder der den USA nicht gibt. Sie werden untersucht und zu Medizin verarbeitet. Die Forschung ist sehr aufwendig, darum ist die Medizin sehr teuer.Deswegen kann es dazu kommen, dass Afrikaner die teure Medizin aus der westlichen Welt mit Inhalten von ihren Pflanzen für teures Geld kaufen. Die westliche Medizin ist nicht schlecht, sie kann helfen, hilft aber auch nicht immer.

 

Es gibt aber noch einen anderen Weg. Er ist nicht neu. Schon immer kannten die Völker ihre Pflanzen und haben ihre Heilkraft angewendet. Es gibt heute eine Forschung, die afrikanische Pflanzen direkt im Land untersucht und nicht über die USA oder Europa. Gleichzeitig sucht sie nach Möglichkeiten, die Pflanzen im Land selbst anzubauen und bei Krankheiten zu nutzen.

 

Dafür sind drei Dinge wichtig: 

1. Man muss die Pflanzen und ihre Wirkung genau kennen.

2. Man muss die Pflanzen anbauen und kultivieren.

3. Man muss die Pflanzen medizinisch verarbeiten.

 

Beispiel: Als ich mit dem Bus von Dar Es Salam nach Manyoni fuhr, stieg unterwegs eine gut gekleidete Frau ein und pries Waren mit Aloe Vera an. Sie waren von ausländischen Unternehmen hergestellt und nicht billig.Die Heilwirkung von Aloe vera ist nicht neu und im Land bekannt. Auch ich habe verschiedene Aloe vera Pflanzen in meinem Heilpflanzenbeet, allerdings muss ich sie im Winter ins Haus holen, da das Klima nicht so geeignet ist. Aber hier in dieser Gegend müsste diese Pflanze sehr gut wachsen. Warum also nicht selbst anbauen?

 

Leider kennen viele Afrikaner (und Europäer) ihre eigenen Heilpflanzen nicht mehr.  Es gibt eine Forschung, die afrikanische Pflanzen direkt im Land untersucht und nicht über die USA oder Europa. Gleichzeitig sucht sie nach Möglichkeiten, die Pflanzen im Land selbst anzubauen und bei Krankheiten zu nutzen. Der deutsche Apotheker Dr. Hans Martin Hirt gründete die christliche Organisation Anamed (www.anamed.net), die inzwischen weltweit  Kurse abhält. Sie werden geleitet von einheimischen Mitarbeiter, die die Teilnehmer die traditionellen Heilpflanzen der Region, ihren Anbau und ihre medizinische Verwertung lehren. Es werden einfache Heilmittel wie medizinische Seifen, Cremes und Zäpfchen hergestellt. Jeder Teilnehmer erhält ein Lehrbuch in seiner Landessprache, Samen und einfache medizinische Gerätschaften. Auch in Tanzania werden solche Kurse angeboten.

 

Das Seminar

 

Teure Importe stoppen, eigene Heilpflanzen kennenlernen, anbauen und zu Medizin verarbeiten. Die Ideen, die wir im vergangenen Jahr unter die Leute gebracht haben, zeigten Erfolge. Das lange geplante Seminar über Naturheilkunde konnte stattfinden!!!! Das ist nicht selbstverständlich, und dafür sind wir von Herzen dankbar. 

Das Seminar wurde veranstaltet mit der Organisation Anamed (www.anamed.org).  Der tansanische Leiter Philip Mateja konnte als Lehrer gewonnen werden. Sämtliche Kosten außer der Übernachtung wurden von uns übernommen. 

Verantwortlich für die Organisation war Safari Mzenga, ein Mitarbeiter des Hilfswerks Compassion, der uns seit vielen Jahren bekannt ist und auch übersetzt.

Die über 30 Teilnehmenden setzten sich zusammen aus den vier Gemeinden: jede Gemeinde entsandte 7 Frauen und ihren Pfarrer. Dazu kam der Leiter der Hilfsorganisation Compassion aus Manyoni, den wir persönlich eingeladen haben.

Als Kursgebäude wurde ein Seminar der katholischen Kirche angemietet. Der Seminarleiter war sich nicht zu schade, die Räumlichkeiten für den Unterricht vorher eigenhändig zu reinigen. 

Der Kurs dauerte von Montag bis Samstag jeweils von 8 - 18 Uhr einschließlich Frühstück und Mittagessen. Dazu wurden vier Frauen eingestellt, die an offenen Feuerstellen im Freien das Essen zubereiteten und auch abends nach dem Kurs vor der anglikanischen Kirche noch ein warmes Abendessen reichten. An manchen Tagen standen sie schon um 3 Uhr Morgens auf, um die Chapati für das Frühstück zu machen.

Das Projekt wurde erschwert durch den niedrigen Wissensstand der meisten Teilnehmenden. Man hätte sich keinen besseren Lehrer vorstellen können als Philip, der die Frauen abholte, wo sie waren, und mit unendlicher Geduld ihnen immer und immer wieder das Thema erklärte und die Frauen so begeisterte, dass alle von Anfang bis Ende sehr aufmerksam dabei waren und keiner fehlte. Es herrschte von Anfang an eine unglaublich gute Stimmung und Lernatmosphäre. Das Gelernte wurde manchmal in Liedern vertieft: Schwarz ist schön! und Wir pflanzen Bäume! Am Ende des Seminars erhielt jeder Teilnehmende ein Zeugnis als Teilnahmebestätigung. 

Das Seminar wurde von den politischen Vertretern sehr positiv wahrgenommen. Am Ende des Seminars kam ein Parlamentsabgeordneter, um mit Manfred die Zeugnisse zu überreichen. So war das Seminar insgesamt ein voller Erfolg.

Ein Blick in die Zukunft: Jeder Teilnehmende erhielt neben Büchern und Informationsmaterial auch Saatgut, um das Erlernte in die Tat umzusetzen. Die Erfahrung von Philip lehrt, nach zwei Monaten mit einer regelmäßigen Beratung und Unterstützung fortzusetzen, und das Seminar evtl. zu wiederholen. Vor allem die schwierigen klimatischen Voraussetzungen machen den dauerhaften Erfolg des Projekts davon abhängig. Dafür müssen nun weitere Schritte eingeleitet werden. 

Gut wären auch finanzielle Hilfen für Solarkisten und Wasserfilter. Den Teilnehmenden ist es nicht klar, wie schlecht ihre Wasserqualität ist. Sie trinken das Wasser sogar ungekocht und ungefiltert. Hier bleibt noch viel zu tun. 

 

Ein Besuch im März 2017 zeigte, dass die Teilnehmenden die Vorschläge umgesetzt haben und in der Lage waren, selbst Medizin herzustellen und zu verkaufen. Deshalb planen wir im Juni 2018 ein Seminar in Kilimatinde.