Theoretischer Leitfaden


Christus - das heile Organismusmodell

 

Paradigma lebendiges Leben

Die alten Heilkunden, die wir heute noch kennen und praktizieren, und die wir einfach zusammenfassen als Komplementärmedizin - d.h. eine andere Medizin - haben ein anderes Paradigma: Sie gehen aus von lebendigem Leben. Sie haben darum andere Organismusmodelle, bzw. eine andere "Anatomie" als die Naturwissenschaftlich orientierte Schulmedizin. 

 

Die Hierarchie

Für Hildegard von Bingen ist lebendiges Leben das oberste Prinzip. Es wird personal verstanden. Die Lebenskraft ist Jesus Christus selbst in seiner Person. 

 

LDO I, 2. Christus spricht: Ich bin die höchste und feurige Kraft, habe jedweden Funken von Leben entzündet und nicht Tödliches sprühe ich aus. Ich entscheide über alle Wirklichkeit. ...

Die Natur ist nicht einfach Natur, sondern von ihrem Schöpfer geprägt. Sie wird von lebendigem Leben her verstanden. Gerade die unbelebte Natur des Kosmos zeigt für Hildegard das Wesen der Lebenskraft. 

Ich, das feurige Wesen göttlicher Wesenheit zünde hin über die Schönheiten der Fluren, ich leuchte in den Gewässern und brenne in Sonne, Mond und Sternen. Mit jedem Lufthauch, wie mit unsichtbaren Leben, das alles hält, erwecke ich alles zum Leben (WM 25). Die Luft lebt im Grünen und Blühen, die Wasser fließen, als ob sie lebten. Auch die Sonne lebt in ihrem Licht und der Mond wird nach seinem Schwinden wieder vom Licht der Sonne entzündet, damit er gleichsam wieder von neuem auflebe. Auch die Sterne geben aus ihrem Licht, wie wenn sie lebten, klaren Schein.  

 

Ostern - das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte

Das Paradigma lebendiges Leben ist für die die christliche Medizin von Ostern her begründet. Ostern ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern hat auch eine Entsprechung in der Medizin. Das Wort der Engel an die Frauen: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wird zum Paradigma für Medizin. 

 

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Dieses Glaubenszeugnis ist nicht einfach nur eine theoretische Proklamation. Es hat eine medizinische Entsprechung.

Es gibt eine Kohärenz zwischen dem Körper des "irdischen" Christus, mit dem er auf der Erde gesehen wurde, und dem "himmlischen" auferstandenen Christus, denn Christus wurde als Person in seinem Körper erkannt, er war kein Gespenst. Der irdische Körper hatte die Fähigkeit, dem Auferstandenen Raum zu geben. 

So wird auch unser Körper von Auferstehung her verstanden und nicht vom Tod. Wir wissen gar nicht, was alles in ihm steckt! Er kann sich wandeln!

 

Engel

Welt, Kosmos, Geschichte und Medizin sind keine autonomen Mächte, sie sind geordnet von Engeln. Sie setzen die Paradigmen. Sie helfen, eine Ordnung in den vielen verschiedenen "Lebensweisen" zu finden. 

Hildegards Leitfaden stellt sie vor in der Einleitung. Das Raster ist die Wahrnehmung des gesunden heilen Organismus. Sein Modell ist Christus, er ist der Mensch, wie er von Gott her sein sollte. 


 

Hildegard die  Lehrerin im Bild zeigt, wie wir mit dem Paradigma lebendiges Leben praktisch umgehen können. Sie  weist uns an, mit der Wahrnehmung zu beginnen. Sie hält das linke, wichtige (Yang) Auge geschlossen, das rechte (Yin) Auge offen. Im Text aber weist sie den Leser an: Nicht mit den äußeren Augen und Ohren, sondern mit dem Herzen wahrnehmen!  



 

Vergleichbare Vorstellungen der Hippokratischen Medizin: In alten Skulpturen trägt Homer eine Binde vor Augen. Man ging in der Forschung davon aus, dass er blind war, aber er konnte sehr wohl sehen. Er war nur blind für den äußeren Schein. (Elia van der Heijden Zenoni, Homer Darstellungen in der antiken Bildkunst; in Joachim Latacz, Homer S. 20ff).

 



Die Zahlensymbolik

Die Ordnung im Herzen wird ausgedrückt mit einer Zahlensymbolik. Unser Organismusmodell - d.h. der Kosmos in uns - wird geordnet von der Zahl 5 - der Zahl der Engel. Denn Welt, Kosmos und Geschichte sind keine autonomen Mächte, sie sind geordnet von Engeln. Die Zahl 5 ist aber auch die Zahl der "Jungfrauen" 2x5), die der alten Mönchsheilkunde ihren Namen gegeben hat. 


Preis sei auch, Heilige Engel, Hüter der Völker!

Und ihr, o Kräfte und Mächte, ihr Fürsten, Herrschaften, Throne,

die zum Geheimnis der Fünfzahl schließen den Ring!

Lobpreis sei Euch!

Ihr erblicket am Urquell den Schlag des ewigen Herzens! (Symphonia 22) 

Codex Lucca

Autorenbild Miniatur 1

Miniatur 1

Miniatur 2

Miniatur 3

Miniatur 4



Wahr-nehmung

riechen

sehen

 tasten

schmecken

 hören



Ich bin Worte

Ich bin das Licht der Welt

Ich bin der gute Hirte

... wie eine Henne

Ich bin das Wasser des Lebens

Ich bin der Weinstock



Evangelisten

Hildegard die Tochter Christi

Johannes der Adler

 Markus der Löwe

Matthäus der Mensch

Lukas, der geflügelte Stier



Lebenskraft im Kontext der TCM

aufsteigende Lebenskraft

absteigende Lebenskraft

Lebenskraft des Atems

Lebenskraft bringt die Organe in Kommunikation

vorgeburtliche Lebenskraft



Lebenskraft

im Kontext der Hippokratische Medizin)

Fusszentrum

Scheitelzentrum

Atemzentrum

Magenzentrum

Scheidenzentrum



Weisheit

 

Die Weisheit der Frauen baut ihr Haus (Spr 14,1)

Hirten, die euch weiden sollen in Weisheit (Jer 3,15) 

mütterliche Weisheit

Die Quelle der Weisheit ist ein sprudelnder Bach (Spr 18,4)

Weisheit der Schöpfungsordnung



elementare Kräfte

Erde

 

Feuer

 

Luft

Wasser

4 elementare Kräfte bringen Holz hervor 



Stadien des Lebensbaumes

Frucht

Stamm

Bahnen

Wasser

Wurzel



O Urkraft aus Ewigkeit - 

alles hast Du geordnet in Deinem Herzen. 

Alle die Dinge der Welt,

so wie sie da sind, wie Du sie gewollt,

Du hast sie geschaffen

aus Deinem Wort.

Und dieses Dein Wort

bildete einen Körper

in jener Gestalt, wie sie erwuchs uns aus Adam. 

 

Und also ward 

auch unsere leibliche Hülle

befreit von gewaltigem Leid.

 

O wie groß ist unseres Heilandes Güte!

Er hat alles erlöst, da Er Mensch ward,

als Er - ohne die Fessel der Schuld - ausging aus Gott.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne

und dem Heiligen Geist!

Und also ward auch unsere leibliche Hülle

befreit von gewaltigem Leid.

 

Hildegard von Bingen, Symphonia 

 

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