Wie eine andere Kultur

 

Aus interkulturellen Begegnungen wissen wir: Gewöhnliche, uns selbstverständliche Dinge können eine andere Bedeutung haben, nichts ist selbstverständlich. Man muss lernen, die Dinge mit den Augen des anderen zu sehen, auf die gleiche Weise zu denken wie er. Man braucht dazu die Caritas, die “den anderen höher achtet als sich selbst“. Das gilt in der Medizin nicht anders als im sozialen Zusammenleben. 

 

Ein „Gastmahl“ bei einem  Besuch in einer der ärmsten Gegenden Tanzanias. Der hier abgebildete Dekan mit, verglichen an europäischen Maßstäben, einer denkbar geringen Schul- und theologischen Bildung, ohne Englischkenntnisse, war drei Wochen lang Gast in unserer deutschen akademisch gebildeten Pfarrfamilie gewesen  Trotz aller kulturellen Unterschiede fühlten wir uns vereint im gemeinsamen Gottesdienst und Lob. Nun kamen mein Mann und ich zu einem Gegenbesuch.

 

Das befreundete Pfarrer Ehepaar hat für uns europäischen Gäste ein Festessen bereitet. Mein Mann und ich sitzen ihnen gegenüber. Wir sehen nichts außergewöhnliches, die Sitzordnung erscheint uns ganz normal, die Frau rechts, der Mann links.Wir kennen uns noch nicht aus in den afrikanischen Sitten. In dieser Gegend sitzt eine Frau nicht neben ihrem Mann. Diese Ordnung ist ihr peinlich. Nur um der Gastfreundschaft willen haben sie ihre Ordnung vertauscht und uns angepasst. So zeigten sie uns ohne Worte, dass wir willkommen sind.  Wir fühlten uns als Beschenkte, die die Einheit der weltweiten Kirche in diesem Besuch spürbar empfanden, Gabe des Heiligen Geistes. 

 

Genau auf diese Weise verhalten sich nach Hildegard die Organe in unserem Körper zueinander. Sie lieben, passen sich an, nehmen aufeinander Rücksicht, helfen. Sie verstehen einander. Das Wesentliche unserer Körperfunktionen, ihre „natura“ wird nicht „als es selbst“ gesehen, ist nicht einfach unmittelbar zugänglich und wissenschaftlich messbar. Wir bemerken sie gar nicht. Und doch drückt es sich in allem biologischen Geschehen aus. Unser Körper und die ganze Natur trägt das Siegel des heilenden, liebenden Christus. Diese Gemeinschaft unserer Organe ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Alles passt und kann funktionieren. 

 

Was gibt es eigentlich zu essen? Ein kundiger Beobachter wird allein aus der Auswahl der Speisen seine Rückschlüsse ziehen auf das Verhältnis von Gastgeber und Gast. Gibt es ein Festessen? Oder vielleicht nur eine einfache Suppe? In unserem Fall gab es Reis und Fleisch, ein absolutes Festmahl. 

Für Hildegard gilt der Satz des Hippokrates: Eure Nahrungsmittel werden eure Heilmittel sein. Ein Gastmahl entspricht dann heute einem Besuch beim Hausarzt.

 

Womit wurde das Essen zubereitet? Obwohl diese Frage bedeutungslos erscheint, weiß man aus der Praxis: Das beste Essen wird z. B. mit schlechtem Öl verdorben, auch wenn äußerlich alles stimmt. 

Für Hildegard ist gerade die Heilmittelzubereitung von entscheidender Wichtigkeit für den Erfolg einer Behandlung. 

 

Das Unsichtbare akzeptieren. Welche Art von Liebe haben wir wirklich in unserem „Herzen“ erlebt? War sie ganz und gar selbstlos wie die Caritas Christi? Es war Freundesliebe, aber „lässt sie ihr Leben für ihre Freunde?“ das ist die Ebene, die man nicht wahrnehmen kann, auf die aber alles ankommt. 


O Gott - Du - von Ewigkeit:

Neige dich uns zu,

glühe auf in jener Liebe zu uns,

auf dass wir lebendige Glieder werden,

gebildet in gleicher Liebesglut,

aus der Du gezeugt Deinen Sohn

in den Morgenrots Frühe

vor Weltanbeginn.

 

Schau an unsre Not,

die über uns einbrach-

nimm sie uns weg

um Deines Sohnes willen- 

und geleite uns

in die Freuden des Heils!