Inklusentum

Das Inklusentum geht zurück auf Antonius und den Anfang der Mönchsgeschichte und verliert sich in seiner ursprünglichen Bedeutung erst im 14. Jahrhundert. In einer zweiten Phase seines Lebens verlässt Antonius seine Mitmenschen, geht in die Wüste und mauert sich ein in ein verlassenes Kastell, lebt dort 20 Jahre. Seine Gedanken umgeben ihn wie Dämonen, und er kämpft gegen sie an. 

 

Auf dem Autorenbild sieht man die Mönche, eingeschlossen in ein Haus Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein kleines Fenster nach oben. Die Schlange ist ein Tier der Wüste, sie gebärdet sich als Dämon, und das Monstrum hat den Kampf gegen sie scheinbar verloren. Die Mönche finden Schutz in den Mauern des Hauses. 

Das Bild hinter dem Bild

Der Mönchsvater Cassianus lehrt (Unterredungen S. 328):

Das äußere Inklusentum ist ein Bild für ein "inneres Haus", in dem der Mensch eine Heimat findet. Über sich durch ein kleines Fenster sieht Hildegard scharf ihre Umgebung, mit vielen Adjektiven ausführlich beschrieben. Aber in Wirklichkeit sieht sie sich selbst wie eine "zerstörte, mauerlose Stadt - ohne Heimat - ohne Lebenshaus - hilflos den Gefahren der Wüste ausgesetzt. Ihre Bedrohung kommt aus ihrem Herzen. Der Kampf findet mit sich selbst statt. 

Wie eine Stadt, deren zerstörte Mauern sie offen lassen, so ist ein Mann, der etwas ohne Überlegung tut.

 

Es ist nach Cassianus die Weisheit, die den Menschen das Gute wählen lässt. Sie baut ein Haus, in dem der Mensch Geborgenheit findet. Sie differenziert genau zwischen dem, was in das Haus hineingelassen wird und dem, was draußen bleibt. 

So sehr wird diese Tugend als nützlich und notwendig anerkannt, dass sie sogar mit dem Wort Gottes und seinen Kräften verbunden wird in jener Stelle: "Denn lebendig ist das Wort Gottes und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Fugen und Marke und entscheidend über die Gedanken und Absichten des Herzens (Hebr. 4, 12) 

Dieses Schwert ist allerdings kein Schwert aus Metall. Seine Frucht sind die "bewährten Gedanken" aus dem Kampf mit sich selbst. 

Die medizinische Ebene

Die Homöopathie wird mit hineingenommen in eine "Diätetik", bzw. ein Prinzip "Lebenskraft nähren" (TCM) und die Vorstellung des Menschen zwischen Himmel und Erde. 

Homöopathie von unten: Medizin unterstützt auf der körperlichen Ebene den Kampf gegen die Dämonen. Es genügt nicht, ein Schlangenmittel zu nehmen gegen "Schlangengedanken". Es geht um Bewusstwerdung und die Wahrheit als eine "Qualität, etwas in unserem Inneren anzurühren" (Sankaran, Das geistige Prinzip der Homöopathie S. 12). Auch in diese tiefe geistige Ebene will das Heilmittel wirken. Da hilft ihm die Homöopathie von oben: Psalmen, Lieder, Lob - Beichte und die vielen geistigen Heilmittel der Klöster.