Historischer  Überblick über die Klostermedizin

Der Demutstopos verhindert einen historische Bewertung  der Mönchsmedizin. Man verschleierte seinen eigenen Anteil, und der wichtigste Name noch zu Hildegards Zeit ist anonymus. So wirkt die Medizin nach außen wie eine einfache Volksheilkunde.  

Aus der Sicht der klassischen Schulmedizin ist „die Heilkunst des jungen Abendlandes bei allen sozialen Bedürfnissen über ein halbes Jahrtausend hinweg dennoch nie über das Niveau einer empirischen Volksmedizin hinausgelangt….(bis es) dann aber um die Mitte des 12. Jahrhunderts - innerhalb einer einzigen Generation jenen Sprung hat machen können, der sie, die Medizin, zu einer eigenen „facultas“ im „studium generale“ (der Universitäten) erhob“ (Schipperges).

 


2. Jhd. 

Erstes Zentrum der Mönchtradition in Jerusalem



3. Jhd. 

Zweites Zentrum der Mönchtradition in der ägyptischen Wüste Nitrit, Kelia. 

Ein großer Kommunikationsradius wird sichtbar bis nach China. 



251 - 365

Antonius, der erste (exemplarische Mönch9, ein bedeutender Heiler.

Zu seiner Wirkungsgeschichte gehört der Orden der Antoniter.



345 - 399 

Evagrius Ponticus, ein griechisch sprachiger Mönch der Kelia, ebenfalls ein bedeutender, aber in der westlichen Tradition unbekannter  Heiler. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und gelangten im 5. Jahrhundert bis nach Turban, China. Seine Schriften zeigen eine gemeinsame Tradition der Klostermedizin Hildegard von Bingens  und einer alten TCM, in der Qi als Yin und Yang gedacht wird.



360 - 435 

Johannes Cassianus, ein Schüler des Evagrius Ponticus. Er schrieb seine Schriften in lateinischer Sprache und gehörte zu den täglichen Lesungen der benediktinischen Klöster. 



430 

Martianus Capella beschreibt die Mönchsmedizin als Medizin der „10 Jungfrauen“.  (Martianus Capella, „De nuptiis Philologie et Mercurii“.) Sie war die beherrschende Medizin des christlichen Abendlands, bis sie von der Universitätsmedizin abgelöst wurde. 



480 - 543

Benedikt von Nursia, ein bedeutender Heiler und Gründer des Benediktinerordens. Seine „Regula“ wird zum Leitfaden benediktinischer Mönchsmedizin. Sein Kloster auf dem Montecassino in Italien wird zum neuen europäischen Zentrum der Klostermedizin. 



556 - 636

Isidor von Sevilla, Etymolgia



um 900

Eine neue Rezeptionsbewegung von Medizin. Das neue Zentrum ist Bagdad. Die Medizinschule von Salerno entsteht. 



1056

Kirchenspaltung in eine östliche und westliche Kirche. 



1096 - 1099

Der erste Kreuzzug. Judenprognome im eigenen Land. 



1098 - 1179

Hildegard von Bingen



1180 - 1187

Gerhard von Cremona tradiert in Toledo arabische Wissenschaftstheorie, Ausbreiten des in Toledo übersetzen „neuen Aristoteles“.



um 1200

Gründung der ersten Universitäten in Paris und Bologna



1348

"In Deutschland blieben die Klöster, vor allem die der Benediktiner...noch lange die beherrschenden Zentren der Gelehrsamkeit, während in Italien, Frankreich, England die in den Städten langsam die Leitung übernahmen. Es ist im Licht dieser Entwicklung dann auch nicht erstaunlich, dass die früheste Universität im deutschen Sprachraum erst 1348 in Prag durch den luxemburgischen Herrscher Karl IV. entstand." (Embach)  

Gründung der ersten deutschsprachigen Universität in Prag

 

Ausklang der Klostermedizin



Historische Quellen:

  • unveröffentlichte Vorlesung zur Mönchtradition von Prof. Löhr, Heidelberg
  • H. Schipperges, Die Benediktiner in der Medizin des frühen Mittelalters
  • ders. in "Arabische Medizin im lateinischen Mittelalter".