Homöopathie

Am Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckte der Arzt und Chemiker Georg Hahnemann durch einen Zufall das Simile Prinzip in seiner medizinischen Praxis. Aus seiner Erfahrung entwickelte er die Lehre der Homöopathie im Rahmen seiner Zeit und ihrer Medizin. Als humanistisch gebildeter Gelehrter erkannte er die geistigen Wurzeln der Homöopathie in der griechischen hippokratischen Heilkunde, aber diese These ist bis heute nicht unbestritten und kann auch nicht befriedigt beantwortet werden, da die Hippokratische Medizin nur noch auf der psychologisch geistigen Ebene praktiziert werden kann. 

 

Die Entwicklung in der homöopathischen Praxis zeigt, dass Homöopathie eine Heilkunde ist mit einer großen Integrationskraft. Die Öffnung der Naturwissenschaft zur Quantentheorie bedeutet eine enorme Entwicklung und Ausweitung der Homöopathie. Der Arzt und Chemiker Dr. Scholten, Niederlande, erklärt Homöopathie (anders als noch Hahnemann) auf der Basis moderner Chemie und Naturwissenschaften. Die Biologin Dr. Michael Yakir, Israel, nimmt die Forschung Scholtens auf und erweitert sie ihrerseits um den Kontext moderner biologischer Systematik. Für die Forschungsgruppe von Dr. Sankaran, Bombay, ist Homöopathie im Wesentlichen eine geistige spirituelle Heilkunde und wird von ihm in einer Kontinuität zu den alten vedischen Schriften gesehen. Auch von hier aus  hat sich das Spektrum homöopathischen Wissens vergrößert. 

 

Bei einer Ausweitung der Homöopathie auf den afrikanischen Kontext wird m. E. ein anderes Modell von Homöopathie wichtig, das noch keine Beachtung gefunden hat: die Homöopathie der alten Klosterheilkunde aus einer Zeit vor der Universität. Ihre letzte bedeutende  Vertreterin ist Hildegard von Bingen. Für sie ist Homöopathie der medizinische Aspekt der Caritas, d.h. der barmherzigen Liebe. Sie stellt ihre Homöopathie in das christlich jüdische Weltbild der Bibel.

 

Hildegard kannte selbst noch Theorie und Praxis Hippokratischer Heilkunde. Alles was wir von dieser alten griechischen Medizin noch wissen, verdanken wir den Klosterschreibstuben der Mönche, sonst wäre es im Wirren der Völkerwanderungen verloren gegangen. Sie öffnet moderner Homöopathie einen Weg,  das enge Weltbild von vor 200 Jahren zu überwinden. 

 

Auch wenn es heute nicht einfach ist, sich in ihre Denkweise hineinzuversetzen, soll doch versucht werden, sie in den Kontext moderner Homöopathie zu stellen.