Wein - Vitis Vinifera

 

Grundlage der Homöopathie ist der Wein. Zwischen dem Menschen und dem Wein gibt es viele Parallelen. In Miniatur 4 stellt Hildegard den Wein vermenschlicht dar und unterstreicht damit seine  Spitzenstellung in der Hierarchie der Heilmittel. Er ist nicht nur oben im Bild, sondern er ist geeignet, von seiner „höheren“ menschlichen Ebene aus für alle unteren Ebenen, d.h. für alle Heilmittel ein Arzneimittelträger zu sein.  

 

Noah - der erste Weingärtner

 

Die jüdisch christliche Tradition verbindet den Wein mit Noah, dem ersten Weingärtner der Bibel. Er  war ein frommer Mann, der „ohne Tadel in seiner Zeit lebte“ (Gen 1, 9). Er baute eine Arche, die ihn und die Seinen einschließlich der Tiere vor den Regenmassen der Sintflut beschützte. Die Sintflut war für Hildegard ein Akt der Hygiene. Gott gebraucht das Wasser, um die Erde vor den Menschen zu reinigen (LVM). Noah hat diesen Akt überlebt.

Die Geschichte endet mit dem Hinweis, dass Noah ein Ackermann war und als solcher als erster einen Weinberg pflanzte (Gen 9,20 ff). Er machte eine Art Arzneiprobe: Er trank zu viel Wein und wurde betrunken. Er suchte nach Halt und legte sich aufgedeckt und nackt ins Bett. 

Noah hat einen Nicht - kompensierten Zustand. Er ist nicht nur fromm - er trinkt auch etwas zu viel. 

 

Nacktheit wird von Hildegard verknüpft mit dem Sündenfall Gen 3, 6. In dem Zusammenhang tauchen zum ersten mal in der Bibel Symptome des Weins auf: „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte“. 

 Vergleiche die Arzneiprüfung Vitis vinifera von J. Scholten: 

 „Der Konflikt der Vitaceae liegt zwischen dem Wunsch, sich der Lust hinzugeben…und dem Bedürfnis, die Kontrolle zu wahren und seine Pflichten gegenüber der Gemeinschaft zu erfüllen. …Es ist ein Dilemma, entweder ganz normal zu bleiben und den Normen der Gemeinschaft zu genügen, oder so zu sein wie man es gerne wäre, nämlich die Freuden der Familie und des Lebens auszukosten“. 

 

Die Nicht kompensierte Ebene ist die Wurzel für Krankheit, Leid und Tod. Nach dem Simile Prinzip ist Wein das wichtigste spezifische Medizin für Krankheit und der geeignete Arzneimittelträger der Homöopathie. 

 

Die Nonne haben das Thema der Weinrebe auf sich selbst bezogen. Sie bekennen sich ganz offen zu ihrem Nicht - kompensierten Zustand. Homöopathie als Medizin der „Jungfrauen“.

 

 

De undecim Milibus virginibus

 

Lob und Ehr dem Heiligen Geist!

Im Herzen der Jungfrau Ursula

zog Er die jungen Mädchen an

wie eine Schar von Tauben. 

Deshalb verließ sie Haus und Hof, 

wie einstens Abraham.

Verzichtet hat sie auf Mann und Heim,

um sich dem Lamm zu vermählen.

Die ganze Heerschar aber um sie,

so keusch, goldstrahlend,

im jungfräulich wallenden haare

hat sie das weite Meer durchfahren…

Wer wohl hat je so wunderbare Dinge vernommen!

Verzichtet hat sie auf Mann und Heim,

um sich dem Lamm zu vermählen.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

 und dem Heiligen Geist!

Symphonia 43