Mineralien - Thema Struktur

"Den mineralischen Mitteln sind die Themen von Struktur und Organisation gemeinsam und zentral; die Probleme der mineralischen Mittel bzw. der entsprechenden Persönlichkeit entstehen dann, wenn diese Struktur und Organisation zerbrechen, wenn eine Beziehung zerbricht oder eine Leistung nicht erbracht wird. Diese Menschen sind sehr systematisch und neigen zu größter Organisiertheit"

(R. Sankaran, Die Seele der Heilmittel S. 247). 

 

 Für Hildegard sind Mineralien nicht chemisch hergestellte Produkte, sondern Steine.

 

Saphir (Lapis Lazuli)

Steine bilden ein Haus und zeigen im unteren Bild von Vision 1 die Struktur des Mönchtums, bzw. der Kirche. Wir werden erinnert an das Wort Christi von dem Fels, auf dem die Gemeinde gebaut ist (Mt 16, 18)

 

Jesus kam in die Gegend von Cäserea Philippi und fragte seine Jünger: was sagen die Menschen, dass des Menschen Sohn sei....Er fragte sie: was sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus des lebendigen Gottes Sohn. 

Und Jesus antwortete: du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

Schon die alte Kirche deutete diese Worte auf das Petrusamt des Papstes. 


Hildegard von Bingen zeigt eine andere Deutung als wir gewohnt sind. Für Evagrius Ponticus ist der Saphir (Lapis lazuli). Er ist nicht der Stein der Erkenntnis, sondern der Umkehr und Wiedergeburt.

 

Wenn der Mensch den alten Menschen ablegt und den neuen Menschen angezogen hat, der eine Schöpfung der Liebe ist, dann wird er zur Stunde des Gebetes erkennen, wie sein Zustand einem Saphir gleicht, der klar und hell wie der Himmel leuchtet. 

Evagrius Ponicus

 

Hilft, überalterte und einschränkende schädliche Lebensstrukturen, Verhaltens- und Gedankenmuster aufzulösen. -  Sich ändern!

Komplexmittel: Natrium – Calcium – Schwefel – Eisen – Silicium - Aluminium

homöopathisches Heilmittel

 

Physica:

Der Saphir bezeichnet die vollkommene Liebe (amor) zur Weisheit

Wächst in der Mittagszeit, wenn die Sonne wieder nach unten wandert 

 

Eine Familie

Ein Haus bedeutet eine Familie. Es ist geprägt von der Lebensgemeinschaft von Vater - Mutter - Kind. Hier ist es die Klosterfamilie. Darin eingeschlossen ist ein persönliches Weltbild.

eine Hütte

Das Haus ist nur eine Hütte, es ist quasi in der Erde. Erde ist eine elementare Kraft, die den Organismus des Menschen beschreibt. 

Ein Garten

Zu dem Haus gehört ein Garten. Er gibt Haus und Menschen einen Lebensraum


Yang Yin
 Haus  Garten
Struktur Raum
vielfältige Lebensweisen tiefe innere Gemeinsamkeit
   

Inklusentum

Auf dem Bild von Vision 1 stellt sich Hildegard als Inclusin vor. Die Mönche sind eingeschlossen in Mauern. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein kleines Fenster nach oben.Der Ritus entspricht einem symbolischen Begräbnis. Vom Moment der Einschließung her ist die Inclusin für die Welt gestorben.

  

In seinen „10 Unterredungen mit den Vätern“ [1]  stellt Cassianus das Inclusentum vor in einem  Beziehungszusammenhang, der den Themen dieses Bildes entspricht. Das äußere Inclusentum ist ein Bild für ein  „inneres Haus“ , in dem der Mensch eine Heimat findet.

 

Über sich durch ein kleines Fenster sieht Hildegard scharf ihre Umgebung, die sie mit vielen Adjektiven ausführlich und konkret beschreibt. Das Auftauchen von giftigen Schlangen weist den Naturkenner auf eine Wüstensituation hin.

 

Hildegard sieht die Bedrohung für den gefallenen und vergifteten Menschen. Er ist wie eine   „zerstörte und mauerlose Stadt”. Er hat keine Heimat, kein Lebenshaus mehr und ist den Gefahren der Wüste hilflos ausgesetzt. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern von innen, aus dem Herzen. Man muss sich ihr gegenüber wappnen.

 

„Wie eine Stadt, deren zerstörte Mauern sie offen lassen, so ist ein Mann, der Etwas ohne Überlegung thut.“

Es ist nach Cassianus die Weisheit, die den Menschen das Gute wählen lässt. Sie baut ein Haus, in dem der Mensch geborgen ist. Sie ermöglicht, genau zu differenzieren  zwischen dem, was man hineinlässt und dem, was draußen bleibt.

 

„So sehr wird diese Tugend als uns nützlich und nothwendig anerkannt, dass sie sogar mit dem Wort Gottes und seinen Kräften verbunden wird in jener Stelle: „Denn lebendig ist das Wort Gottes und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Fugen und Marke und entscheidend über die Gedanken und Absichten des Herzens (Hebr. 4, 12).“

 

Mit dem Schwert bezieht sich Cassianus nicht auf eine äußere Waffe, sondern als Symbol des Kampfes mit sich selbst. Man verzichtet auf ein äußeres Haus und wählt das Gefängnis, um frei zu sein für den Kampf gegen sich selbst.

 

Hildegard von Bingen beschreibt den Gedanken in ihrem ersten theologischen Werk Scivias - Wisse die Wege. 

 

 

[1] Cassianus, Unterredungen  S. 29 Bibliothek der Kirchenväter Bd 24, S. 228ff