Die Urgeschichte des Lobes

Rembrandt, Kain und Abel, Kopenhagen Kobberstilsamling
Rembrandt, Kain und Abel, Kopenhagen Kobberstilsamling

Die Federzeichnung von Rembrandt (um 1650) zeigt: Zither und Hirtenstab werden von Kain gewaltsam vernichtet. 


 Das Alte Testament stellt die Geschichte der Musik nicht sachlich dar, sondern als eine persönliche Familiengeschichte von Adam und Eva, den ersten Menschen der Bibel. Sie stehen exemplarisch für jeden von uns. 

 

Adam und Eva zerstören die Gemeinschaft mit Gott durch eigene Schuld und werden aus dem Paradies vertrieben. In der nächsten Generation wiederholt sich der Sündenfall, allerdings auf einer anderen Ebene. Hier ist es nicht die Schlange, die den Menschen verführt, sondern sein eigenes Herz.  

 1. Mose 4, 1ff. Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie war schwanger und gebar Kain …Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde Ackermann. 

Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn ein Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?  Ist´s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. 

Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß es nicht, soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.

Das Problem:

Jesus Sirach: dass die Menschen böse sind, das hat Gott nicht erschaffen. 

Die Tat des Kain wirkt sich auf die Natur aus. Die elementare Kraft Erde, die in einer Yin und Yang Beziehung zu dem Atem Gottes steht, quasi als sei sie verheiratet, ist nun verwitwet. Das Yin und Yang christlicher Heilkunde ist zerstört. 

 Als Adels Blut vergossen wurde, seufzte die ganze Erde auf, so dass sie gleichsam den Namen Witwe erhielt: Wie ein Weib ohne den Trost des Mannes zur Witwenschaft bestimmt ist, so war auch die Erde durch die Mordtat des Kain ihrer heiligen Ganzheit beraubt (LDO II). 

1. Mose 4, 11 ff. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, wird er dir seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden. 

Kain aber sprach zu dem Herrn: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir´s gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet. 

Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, der soll siebenfältig gerächt werden. Und der Herr machte ein Zeichen (signum) an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände.

So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Tod, jenseits von Eden, gegen Osten

 Nach Osten will ich mich wenden,

beginnen, den engen Weg zu gehen.

Gott, du allein kannst mir helfen!

Nichts Gutes vermag ich ja ohne dich, 

auf dich will ich schau´n,

du spendest mir Leben.

Lass deine Güte mich doch erfahren!

 

Zu dir will ich, selige Jungfrau, eilen,

ergreifen den starken Schild der Demut

und einstimmen in den Chor der Engel:

Ehre sei dir, o Herr! (Scivias I,4)

Kain verliert seine Heimat und wird unstet und flüchtig. Seine Familie ist durch viele Generationen hindurch geprägt von Gewalt und Totschlag. Als ein Zeichen der Erinnerung an seine Herkunft schenkt Gott ihm ein Zeichen, das sogenannte Kainmal. Es ist nicht zu sehen, aber zu tasten.

Trotz allem bewahrt sich die Nachkommenschaft des Kain eine Erinnerung an das Paradies. Hier wird wieder etwas vom Lebensbaum sichtbar: Zither und Flöte gehören zu den ältesten Musikinstrumenten der Menschheit. Sie werden geschnitzt aus dem Holz (des Ölbaums). Das weibliche Element spielt dabei eine große Rolle, denn die Namen der Mütter sind ausdrücklich erwähnt. 

1. Mose 4, 17ff. Und Kain erkannte sein Weib, die ward schwanger und gebar den Henoch…Henoch aber erzeugte Irad, Irad zeugte Mehujael, Mehujael zeugte Metuschael, Metuschael zeugte Lamech. Lamech nahm zwei Frauen, eine hieß Ada, die andere Zilla. Ada gebärte….Jubal; von dem sind hergekommen alle Zither-und Flötenspieler…

 

Lob ist mehr als Musik. Es ist Gebet und wird zurückgeführt auf Abel.  Er hat eine andere innere Haltung als sein älterer Bruder. Er ist ein Schafhirte und lässt sich von seinem Bruder ohne Gegenwehr umbringen. Er gleicht seinem Wesen nach dem "guten Hirten" Christus. 

Er stirbt ohne leibliche Nachkommen. Sein Bruder Set nimmt später seinen Platz ein. In seiner Nachkommenschaft gibt es Menschen, die den Namen des Herrn anrufen. Musik und Zither gehören aber selbstverständlich dazu. Unerklärliche Misericordias Gottes. 

1. Mose 4, 25 ff. Adam erkannte abermals sein Weib, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set; denn Gott hat mir, sprach sie, einen anderen Sohn gegeben für Abel, den Kain erschlagen hat.

Und Set zeugte auch einen Sohn und nannte ihn Enosch. Zu der Zeit fing man an, den Namen des Herrn anzurufen. 


 Zu dir rufe ich, o mein Gott,

und ich erhalte Antwort von dir. 

Ich bitte, und deine Güte schenkt mir, was ich begehre.

Ich finde bei dir, was ich suche.

Erfüllt von Ehrfurcht und Freude

schlag´ich die Zither vor dir, meinem Gott,

denn ich richte auf dich all mein Tun.

All meine Hoffnung setze ich auf dich

und ich ruhe selig in deinem Schoß. (LVM)