Affe

Quelle: LVM I - 7. Vision - - - Physica VII - 24

Der Affe lehrt die Bedeutung der Gestik. 

Dr. Sankaran, homöopathischer Arzt aus Indien: „in meiner Praxis fiel mir oft auf, dass die Patienten die Empfindungen viel besser und akkurater mit Handgesten als mit Worten beschreiben konnten,…dass die Gesten manchmal nur das ergänzten, was die Patienten mit Worten sagten. Manchmal kommunizierte der Patient mit den Gesten etwas, was er sonst nicht mit Worten ausdrücken konnte. Und in anderen Fällen passten die Gesten überhaupt nicht zu dem, was der Patient sagte, so dass ich nachfragen musste, was mit der Geste gemeint war. Gesten deuten manchmal auf eine Empfindung hin, manchmal repräsentieren sie die Wahnidee und manchmal sind sie nur Muster, die nicht auf eine nervliche oder emotionale Erfahrung reduziert werden können“ (Empfindung S. 242).

 

Der Mensch ist dem Affen ähnlich

Diese These ist nicht neu. Wir finden sie schon in Physica. 

…weil der Affe dem Menschen etwas gleicht….

 

Die Kirche hat sich nie mit dem Gedanken  abgefunden. Das war schon bei Hildegard so: 

“Nur das aber, was sie sahen, das hörten und glaubten sie einzig und allein. …Was ich erproben kann, das stelle ich auf die Probe: in immer neuen Untersuchungen erforsche ich alles und überall halte ich ein Stück fest, damit mir nichts fehlt….Blind sind ihre Augen für den Glauben und taub ihre Ohren für die Wahrheit…Sie gleicht vielmehr einem Standbild, das Gott nicht berücksichtigt…. Die Gläubigen  sollen die Heuchelei solcher Täuschung von sich weisen und nur zu dem halten, was sowohl nach menschlicher Art wie auch Gott gemäß fest und sicher ist“ (LVM IV, 72).

 

Der Affe war ein Heilmittel der Klosterheilkunde. Aber sein Gebrauch ist in Physica 200 Jahre nach Hildegard fremd geworden.

Physika VII, 24.

„Der Affe macht (ist) warm, und weil er dem Menschen etwas gleicht, sieht er den Menschen immer an, damit er tue gemäß dem, was der Mensch tut…

Wenn er nicht ausführen kann, was er will, wird er sogleich zornig…

Aber weil er dem Menschen etwas gleicht, hat er gemäß dem Mond Monatszeiten…

…er taugt nicht zu Heilmitteln.“

 

Die Gestik

Für Hildegard hat die äußerliche Ähnlichkeit keine Bedeutung für die Medizin. Sie überträgt das Verhalten des lebendigen Tiers auf den Menschen. Hier zeigen Mensch und Affe einen signifikanten Unterschied: 

Die Gedanken des menschlichen Herzens öffnen sich in die Gestik. An diesem Punkt kann man etwas erahnen von den der unsichtbaren Welt der unbewussten Empfindungen, die der gesunde Mensch im allgemeinen verbirgt. 

 

Hände wie ein Affe. 

Bei einem Affen lassen die Bewegungen der Hand sein „Herz“ nicht erkennen. Allenfalls gleicht er einem Schauspieler, der seine persönlichen Gedanken und Gefühle unter Kontrolle hat und sie ganz bewusst nicht in seiner Gestik offenbart. 

Bei einem Menschen sind Herz und Hand kohärent, d.h. harmonisch aufeinander abgestimmt. In ihren erklingt die gleiche Lebensmelodie, das Lied meiner Person. In dieser Harmonie spiegelt sich der Schöpfer - Heiliger Geist - Lebenskraft - mein Lebensbaum! Er wächst aus dem Herzen und lässt alle meine Körperfunktionen harmonisch zueinander wie ein großes Lied erklingen. 

 

Der Mensch ist kein Affe. Deutet seine Gestik auf einen Affen hin, singt sein Körper ein fremdes anderes Lied. In der Hand des Arztes wird aus meinem Krankheitslied ein Heilmittel. Affenmilch (Lac rhesus) ist tatsächlich ein Heilmittel der Homöopathie. 

 

modernes Arzneimittelbild:

 

www.narayana-verlag.de/...homoeopathie/lac-rhesus-ein-glueckliches-verhaltensauffa…

Die geistige Ebene

Inepta laetitia (Ausschweifung) - Gemitus ad Deum(Sehnsucht nach Gott)

 

Die Gestik des Körpers ist ein Schlüssel zur Tiefe meiner Seele. Auch sie ist von Caritas geprägt. Es  gilt das gleiche Muster: In der Hand meines Arztes wird das Laster zu einem Segen. Aber die geistige Ebene ist sehr viel schwerer zu erkennen, weil sie unsichtbar ist. Man kann sich da sehr vertun. Ein ausschweifender Lebensstil kann viele Ursachen haben und darum auf der geistigen Ebene verschieden behandelt werden. So wird die Gestik zu einer Richtschnur, an der man sich  ärztlich orientieren kann. 

 

LVM I, 7: Hände wie ein Affe hat ein Christ, der ausschweifend lebt. Sein Herz und sein Lebensstil passen nicht zusammen. Herz und Hand sind nicht kohärent. Der Krankheitssymptomatik „inepta Laetitia (Ausschweifung)“ steht das Heilmittel „Gemitus ad Deum“ gegenüber, die Sehnsucht nach Gott.

„Denn die Menschen lenken die Erkenntnis des Guten, die sie auf das Streben nach höheren Dingen richten sollten, in der Vielfalt ihrer Ideen auf fleischliche Gelüste“ (LVM I, 87).

 

LVM IV, 41 Ein Beispiel für jemanden, der dem Bild eines Affen gleicht, ist ein Mensch, der „unbeständig“ ist (inconstantia). Ihm fehlt die Kohärenz, das was ihn beständig sein lässt. Diese Kohärenz ist ein Geschenkt des Heiligen Geistes (Psalm 51, 13 f). Ein Christ, der sie nicht hat, täuscht sich. 

Seine „Hände sehen aus wie die Vorderpfoten eines Affen, weil all ihr Tun eher der überheblichen Torheit als einer wahren Klugheit gleicht. Sie wähnt, den Ruhm der Klugheit zu besitzen, wo sie doch nur in ihrer Torheit daher tapst.“

 

 

Affe in der Bibel

Der Affe in der Bibel gehört zu den „fremden“ Tieren (1. Könige 10,22). Tarsis (Tarsessos) an der spanischen Westküste galt als äußerste Grenze der Seefahrt. Wie der Pfau (Physica VI, 3) und das Pferd (Physica VII, 8; LDO X, 21) ist er ein Tier, mit dem sich Könige umgeben. Christus gebraucht ein ähnliches Bild: auswendig ein frommes Lämmchen -  im Herzen ein reißerischer Wolf zu sein.

Man erkennt die Offenheit und Toleranz der Klöster, auch Heilmittel in ihre Arzneimittellehre aufzunehmen, die nicht direkt aus der Bibel stammen. 


Unbeständigkeit 

 

O allwissender Gott, der das Gute schuf,

ich zittere im Bewusstsein der Sünde.

In der Reue erkenn`ich mich zwar, 

lasse sie aber nicht wirksam werden,

und es bleibt mir die Angst.

Auf den Pfaden des Eigenwillens

Packt mich im Übermut doch die Furcht;

In meinen Sünden werde ich alt.

Obwohl sie mich ekeln, schmerzen und dauern, 

lass` ich sie nicht und fürchte mich – 

kenn` ich sie doch nach Zahl und Art.

Nach Norden und Osten, nach Süd und West 

dreht sich das Rad meines Lebens 

in stetiger Unbeständigkeit.

Eins nur bleibt meine Zuversicht:

Der du den Himmel zerrissen und mit Fleisch dich bekleidet hast, 

wirst mich barmherzig durch Buße waschen 

und mich zum Leben erwecken. (HvB, LVM)