Christus - lignum salutis

Wenn die vier elementaren Kräfte im Gleichgewicht sind, dann sprechen sie alle eine gemeinsame Sprache. Es ist eine Nicht - menschliche Sprache: Sie bringen Holz hervor - den "Lebensbaum". Das Rad des Lebens bewegt sich weiter. Der Lebensraum wird ständig größer. 

 

Wo Bäume sind, da ist Leben und Gesundheit

 Als unsere Kinder noch klein waren, zogen wir in ein Haus mit einem großen Innenhof, der vollkommen zubetoniert war. Wenn ich aus dem Küchenfenster schaute, stand mir die ganze Trostlosigkeit vor Augen. Jeden Tag der gleiche Anblick, kein Wechsel der Natur. Kein Vogel, kein Tier weit und breit. Ich kam mir vor wie in einer Wüste. Zur Geburt unseres Kindes  pflanzten wir einen Walnussbaum. 

Er entwickelte sich nicht gleich so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Man musste sehr gut auf ihn aufpassen. Im ersten Frühling fing er an zu tropfen. Jemand hatte seine Zweige verletzt, und ein Walnussbaum reagiert darauf sehr empfindlich. So kaufte ich Baumpflaster und klebte die Wunde zu. 

Jedes Jahr wurde der Baum stärker, und er zog nach und nach Insekten, Schmetterlinge, Ameisen, Vögel an. Nun gab es für uns ein Jahr im Wandel der Jahreszeiten, das Gefühl von Schutz, Heimat und Geborgenheit. Wenn wir heute nach 20 Jahren wieder das Haus besuchen, setzen wir uns unter den Schatten des Baumes, knacken die Nüsse und fühlen uns wie zu Hause - Heimat.

Ein transkulturelles Heilsymbol

 

Der Lebensbaum ist ein transkulturelles Heilsymbol. Als Caduceus oder Doppelschlangenstab lässt er sich bis zu den alten Sumerern (2150 v. Chr) und Ägypten zurückverfolgen. Im Alten Testament heißt er "Aarons Stab", in der TCM Wandlungsphase Holz.  

 

Die alte Kirche bekennt: Christus ist der Lebensbaum. 

 

 

Warum ist nicht Feuer oder Licht, sondern das Holz das wichtigere Symbol für Christus? Man denke an Hildegards Bild der drei Frauen: 

  • Caritas - ein Baum ist nur heilsam
  • Demut - ein Baum ist ein völlig abhängiges Prinzip
  • Hoffnung - ein Baum gibt uns Hoffnung auf Zukunft, er ist Grundlage allen Lebens. 

Individualisierung

 

Der Lebensbaum christlicher Heilkunde ist nicht irgendein Baum. Er ist der Ölbaum, Symbol der Einheit der Völker des Mittelmeerraums. Sein inneres Wesen ist die Barmherzigkeit. Hier ist das innerste Zentrum allen Bemühens um Einheit angezeigt. 

 

Heilen durch Berührung

 

Im Zentrum der Betrachtung steht bei Hildegard die Berührung mit dem Lebensbaum (nicht die Erkenntnis). Sie ist auf allen Bildern zu beobachten. 

 

Zentraler Text aus LDO

 

„Und er wird sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht geben wird zu seiner Zeit“ (Psalm 1,3)

 

Das soll heißen:

Der Sohn Gottes, der in allem dem Willen seines Vaters gefolgt ist, war der Baum des Heils gewesen, empfangen vom Heiligen Geist.

Aus Ihm strömen lebendige Wasser und schenken die Frucht der Heiligkeit in Fülle,

da Er Seine Jünger in der kirchlichen Lehre voll und ganz unterwies.

 

Denn der Sohn Gottes ist Seiner Gottheit nach gleichsam die Wurzel im Herzen des Vaters;

er war die Kraft der Gottheit,

und so stieg Er in den Schoss der Jungfrau nieder

und trug volle Frucht in seiner Menschheit.

 

Wie der Saft des Wassers in der grünenden Lebensfrische des Baumes lebt,

so weste Gottes Sohn immerdar im Vater bis zur festgesetzten Zeit seiner Menschwerdung,

da Er für alle geistlichen Menschen zur Speise des Lebens wurde.

 

Der Himmel berührte den Sohn Gottes, als Er im Himmel im Herzen des Vaters erschien;

und auch die Erde berührte Ihn, da Er in der Krippe lag;

das Wasser  hat Ihn gespürt, als Er auf dem Meere wandelte.

Obwohl nun alles Volk ihn leiblich schaute,

erkannten sie dennoch nicht, dass ER Gott war.“ (WM 207)

 

Et erit tanquam lignum quod plantatum est secus decursus aquarum,

quod fructum suum dabit in tempore suo.

Hoc considerandum sic est:

Filius Dei, qui per onmia uoluntatem patris sui secutus est, lignum salutis fuit, 

Conceptus de Spiritu sancto, de quo uiuentes aquae fluunt, multum fructum sanctitatis dans

cum disciplos suos ad ecclesiasticam doctrinam pleniter instruxit. 

Nam filius Dei secundum diuinitatem quasi radix in corde patris et uis diuinitatis fuit,

Et sic in uterum uirginis descendens plenum fructum per humanitatem suam protulit

quia sicut humor aquae in uiriditate ligni est, ita filius Dei in patre usque ad predestinatum tempus humanitatis ipsius semper erat,

cum cibus uitae omnibus spiritalibus factus est. 

Celum etenim filium Dei tetigit,

dum ipse in celo in sinu patris apparuit ;

et terra tetigit, dum in presepio iacuit;

et aqua sensit, dum ipse supra mare ambulauit.

Et licet illum populi corporaliter uiderent,

Deum tamen esse non cognouerunt.

LDO V, 19